Inhalt: Kurzprosa Teil 2
Blumenkind
Trägst Du Blumen im Geiste? So laß uns gemeinsam fliegen, während andere schwer am Boden haften;
Trägst Du Blumen in den Augen? So laß uns gemeinsam Dinge sehen, die für andere unsichtbar sind;
Trägst Du Blumen im Herzen? So laß uns gemeinsam ihren Duft einatmen, während andere nur Abgase riechen;
Trägst Du Blumen an der Hand? So laß sie uns gemeinsam mit Fingerspitzengefühl halten, während andere nur kräftig zulangen;
Blumen wachsen auch auf dem Mond, so laß uns als erste dort landen;
Blumen wachsen auch in der Wüste, so laß sie uns durchwandern und finden;
Blumen wachsen auch im ewigen Eis, so laß uns es auftauen;
Blumen wachsen auch entlang einer Schnellstraße, so laß uns nicht vorbeifahren, sondern anhalten.
Morgenwind
Es ist noch ziemlich frisch, so früh, ohne Dich.
Der Morgenwind ist kühl, mich friert, ohne Dich.
Vogelstimmen erklingen, eine Melodie, die so schnell verklingt.
Die Blätter der Bäume sind unruhig, schon halb verwelkt ahnen sie, daß sie bald fallen werden.
Straßenverkehr ertönt, die Stadt erwacht, Alltag kehrt ein und pulsiert gleichmäßig.
Ein Feld von weißen Wolken am blauen Himmel, einst sie ein starker, gemeinsamer Gedanke waren.
Weit weg von Dir ich verweil, jeder Kilometer meine Seele heilt.
Die Sonne kommt heraus und kitzelt meinen Zeh,
ich glaub es wird Zeit, daß ich wieder zu den anderen geh.
Leuchtturm
Jeder ist ein Leuchtturm an seinem eigenen Strand,
umgeben vom Meer, mal tosend, mal seicht.
Manchmal bringt die Brandung viel Schrott und Tand,
manchmal berührt sie Dich zart und leicht.
Der Himmel mal sonnig und blau,
mal wolkenverhangen und grau.
Ein Strandgut kann manchmal so kostbar sein,
und die meisten Muscheln sind leer,
fängt man alles mit seinem Herzen ein,
dann wird man Eins mit dem Meer.
Die Möwen sie kreischen und fliegen wild,
der Fisch will nicht beißen, doch die Luft ist mild.
Und ist es dunkel in der stürmischen Nacht,
ein Leuchtturm gibt Zeichen mit pulsierendem Licht,
Irgendeiner hält über alles wacht,
und gibt Dir sein Zeichen Land ist in Sicht!
Nach jeder Ebbe kommt die Flut,
doch die Luft riecht immer gut.
Dieses Gedicht ist geistiges Eigentum von Claudia Westermann
Michael Greven / Gedankenträume.de / 2002-2012
